Anett Kämpfer im Interview mit Kids & Dogs


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Anett Kämpfer

ist durch die Tierärztekammer NIedersachsen zertifizierte Hundetrainerin und Zughundesportlerin. Ihre spannenden Fragen zum Thema “Kind und Hund” und zu unserer Hundeschule und die Antworten dazu möchten wir hier vorstellen! Wie ich finde, ein schönes Interview, dessen Beantwortung mir sehr viel Spaß gemacht hat!

Mehr zu Anett Kämpfer finden Sie hier:
http://aport-zughundesport.de/

Frage: Deine Hundeschule heißt Kids & Dogs. Was hat dich zu diesem Namen bewogen?

Antwort: Als wir Aila bekamen, war sie im Grunde der „Therapiehund“ für unseren Sohn, der mit 2 Jahren von einem fremden Hund sehr heftig gebissen wurde und dadurch eine sehr große Angst vor Hunden entwickelte. Mit Gründung der Hundeschule wollten wir einen Schwerpunkt im Bereich der Kinder legen. Ich wollte gerne Kindern helfen, ihre Angst vor Hunden zu verlieren. Sie sollten lernen, Hunde zu verstehen, zu respektieren statt zu meiden und anderen Kindern den richtigen Umgang mit dem eigenen und fremden Hunden vermitteln. So entstand der Name „Kids & Dogs“ und da wir seit 2004 in Schaumburg leben und uns hier sehr wohlfühlen, der Zusatz „Schaumburg“.

Frage: Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit zwischen Kindern und Erwachsenen?

Antwort: Kinder sind sehr wissbegierig, leidenschaftlich aber auch sehr spontan und ursprünglich, das macht die Arbeit mit ihnen sehr spannend und mir natürlich viel Freude. Andererseits habe ich öfter auch Kinder im Training, die ihrem Hund körperlich nicht gewachsen sind. Da sind dann die Eltern gefragt, den Grundgehorsam zu erarbeiten und mit ihrem Kind und Hund Trainingsschritte im Alltag zu festigen. Kinder alleine schaffen das nicht (immer).

Die Arbeit mit Erwachsenen hat eine andere Basis. Aber im Grunde unterscheidet sie sich nur darin, dass Erwachsene die Grundlagen in der Erziehung mit dem Hund legen (müssen), bevor Kinder darauf aufbauen und weiter arbeiten können. Natürlich habe ich auch viele Erwachsene im Training, die keine Kinder haben oder deren Kinder schon groß sind. Allerdings habe ich quer durch alle Gruppen immer gerne Kinder mit dabei, weil ich finde, dass im Grunde alle Hunde lernen sollten, das Kinder zu unserer Umwelt dazu gehören und nicht gejagt werden dürfen.

Frage: Besuchst du auch Kindergärten und Schulen?

Antwort: Früher ja, seitdem Aila aber mit „Stresshaaren“ reagierte und im letzten Jahr auch wegen einer sehr fortgeschrittenen Mukometra operiert werden musste, die leider viel zu lange übersehen wurde, arbeitet sie in diesem Bereich nur noch selten (in Kinderkursen bei uns). In Kürze aber bekommen wir „Nachwuchs“, der dann in Kindergärten „geprägt“ und so auf die zukünftige Arbeit vorbereitet werden soll.

Frage: Wenn ja, was begeistert dich dort am meisten?

Antwort: Auch hier wieder, die Kinder selbst. Der Wissensdurst und die Begeisterungsfähigkeit, die Zuneigung zum Hund aber auch, das mit dem Hund etwas „erarbeiten wollen“. Kinder, die anfangs den Kontakt mit dem Hund meiden, weil sie Angst haben und dann aus dem „Kurs“ herausgehen und ihren Eltern sagen, sie wollten jetzt auch einen Hund, sind der größte Erfolg in der Arbeit.

Frage: Erfordert die Arbeit mit Kindern besondere Erlaubnisse?

Antwort: Ich musste eine Erlaubnis beim Veterinäramt stellen, die nennt sich „Zurschaustellung von Tieren“ im Falle dafür, dass ich Geld für Besuche nehme, das ich durchaus auch tue. Kleine Beträge, die wiederum von mir in der Regel an den Tierschutz gespendet werden. Eine besondere Erlaubnis für die Arbeit mit Kindern im Training braucht es, meines Wissens nach, nicht. Wichtig ist, dass man dem eigenen Hund absolut vertrauen kann und wenn Kinder mit ihrem Hund im Training sind, ein Elternteil anwesend ist.

Frage: Brauchst du besondere Vorsichts- bzw. Sicherheitsmaßnahmen, um mit Kindern zu  arbeiten?

Antwort: Wenn ich mit meinem Hund arbeite, nicht. Ich kann Aila blind vertrauen und weiß, dass sie einem Kind niemals etwas tun würde. Dennoch lasse ich Kind und Hund nie alleine und aus den Augen. Hier greift für mich das Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Vertrauen ist die Basis, Vertrauen zu erhalten. Wenn ich meinem Hund vertrauen kann und die Kinder mir vertrauen und sehen, dass ich Aila „im Griff“ habe und sie jederzeit aus jeder Situation abrufbar ist, gewinnen sie recht schnell auch Vertrauen zu ihr. Das hat es auch für mich sehr schwer gemacht, einen „Nachfolger“ für sie zu finden. Ich habe bestimmte Voraussetzungen, die ein Hund für diese Arbeit mitbringen muss. Dazu gehört eine hohe Toleranzschwelle. Kinder müssen dem Hund auch ins Fell packen dürfen, ohne dass dieser rumschnellt und abschnappen will.  Er muss ruhig und ausgeglichen sein, aber dennoch ein Hund mit dem man „spielen“ und der geistig so rege ist, dass man ihm Tricks beibringen kann. Ich denke, dass wir mit „Abby“ einen solchen Hund gefunden haben, den wir als „Kinderhund“ wieder ausbilden werden.

Frage: Als 3fache Mutter weiß ich, dass Kinder untereinander durchaus auch neidisch sein können. Welche Erfahrungen hast du damit?

Antwort: Ich denke, dass es sehr unterschiedlich ist, ob es die eigenen Kinder sind (Geschwisterneid) oder fremde. Natürlich gibt es in den Kursen immer wieder Kinder, die sich hervortun und am liebsten „immer“ mit Aila arbeiten würden oder alles „wissen“ und ihr Wissen auch gerne und sofort kundtun wollen. Das lässt sich aber durch „Fairness“ gut regeln. Alle werden gleich behandelt und jeder darf gleich oft J. Manchmal habe ich auch Kinder in Kursen, die noch nicht lesen oder schreiben können, dann finden sich immer ältere, die ihnen dabei helfen. Eigentlich kann ich sagen, dass ich in den drei Jahren, die wir arbeiten, keine negativen Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt habe und die Rückmeldungen der Kinder und Eltern waren durchweg positiv.

Frage: Hattest du ein (oder mehrere) ganz besonderes Erlebnis?

Antwort: Meine besonderen Erlebnisse sind immer die Kinder, die besonders große Angst vor Hunden haben und die uns verlassen, mit dem Gefühl, nun bald selbst einen Hund haben zu wollen J das kommt gar nicht so selten vor.
Neulich traf ich eine Mutter in der Stadt, deren Tochter immer die Straßenseite wechselte, wenn ihr Hunde entgegen kamen. Das hat sich deutlich gebessert, nachdem sie zur Ferienspaßaktion im letzten Jahr bei uns war. Sie verließ uns mit den Worten „Mama, ich will auch einen Hund“. Das ist das, was mich bewegt!

Frage: Gibt es für dein Angebot mit Kindern eine Altersbeschränkung?

Antwort: Ja, Kinder unter drei.

Frage: Gehen Jungen anders als Mädchen mit Hunden um?

Antwort: In den Kursen habe ich tatsächlich keinen Unterschied fest gestellt. Kinder, die mit Hunden etwas machen wollen, verbindet die Leidenschaft zum Hund. Es gibt aber bei den Kindern einfach unterschiedliche Persönlichkeiten (zögerlich, sanft, forsch, laut, leise, aktiv, zurückhaltend usw.) aber nicht geschlechterabhängig.

Frage: Eine Unterrichtsstunde in einer Hundeschule dauert i.d.R. 60 Minuten. Ist das für Kinder eine realistische Zeit, oder gibt es diesbezüglich besondere Regelungen (lange Pausen o.ä.) ?

Antwort: Wenn es eine Gruppenstunde ist,  bei denen die Kinder ihre Hunde mitbringen und arbeiten, dann ist so eine Stunde sehr schnell vorbei. Aber, auch warten muss gelernt sein. Das gilt gleichermaßen für Kind und Hund.

In den Kursen („Wer hat Angst vorm großen Wolf?“) sind es 90 Minuten, unterteilt in Theorie und Praxis. Wenn die Kinder zappelig und unruhig werden ist spätestens Zeit für Praxis J

Frage: Jede Tätigkeit hat schöne und nicht so schöne Seiten. Gibt es auch bei dir etwas was dich traurig macht?

Antwort: Ja, das gibt es und je länger man in dem Beruf tätig ist, desto mehr passiert natürlich. Ein Fall berührt mich ganz besonders: Ich hatte einen kleinen Hund im Training. Von Welpen an. Die Eltern wollten, dass ihr Kind das Training von klein auf übernimmt. Ich habe zwar mit den beiden gearbeitet, aber immer wieder darauf hingewiesen, dass Kinder alleine das nicht können und die Erziehung durch die Eltern erfolgen muss. Irgendwann kamen sie nicht mehr und der Hund entwickelte sich leider negativ. In der Folge wurde ich ein paar Mal gerufen (so einmal pro Jahr), wenn es zu Vorfällen kam (das Kind wurde ins Gesicht gebissen) oder der Hund biss Passanten bzw. Besucher. Das ist eine, für mich sehr traurige Entwicklung, weil der Hund klasse war und das Kind sehr schön mit dem Hund gearbeitet hat, aber in dem Alter (7 Jahre), nicht das leisten konnte, was ein Erwachsender leistet. Eines Tages wurde ich von einer Frau darauf angesprochen, dass das Kind den Hund getreten hätte, weil es ihn nicht halten konnte. Der Hund hatte eine Aggression gegenüber Artgenossen entwickelt und es kamen ihnen Hunde entgegen. Sie folgte dem Kind nachhause und dort wurde ihnen berichtet, dass sie bei mir in der Hundeschule sind. Leider vergaßen sie zu erwähnen, dass sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr da waren, und dass man bei mir „Treten“ nicht lernt. Dass der Junge in seiner Verzweiflung den Hund trat, kann ich sogar verstehen, denn er konnte ihn einfach nicht halten. Auch das ist etwas, worauf ich die Eltern ein paar Mal hingewiesen hatte. Mich macht es traurig zu sehen, dass sich ein guter Hund und ein tolles Kind, die anfänglich ein prima Gespann waren, so negativ entwickelt haben. Nicht nur, weil es auf mich zurück fällt, sondern weil es mir ganz aufrichtig weh tut zu sehen, das etwas so massiv schie…

Frage: Gibt es eine Hunderasse die du für Kinder besonders geeignet hältst?

Antwort: Ich bin ein großer Fan von Golden- und Labrador-Retriever. Das sind tolle Kinderhunde.  Eine Bekannte von mir züchtet Elos, die ich ebenfalls als tolle Kinderhunde empfunden und kennen gelernt habe. Je nachdem, wie alt die Kinder sind und was sie mit dem Hund machen möchten, finde ich Border-Collies klasse, Landseer, Jack-Russel… im Grunde gibt es da keine wirkliche Empfehlung. Es muss einfach zu den Bedürfnissen der Familie passen und sorgfältig ausgesucht werden. Einen „Rabauken“ im Wurf macht man relativ schnell aus. Ich finde, den muss man nicht unbedingt mit zu Kindern nehmen. Da sehe ich auch die Züchter in der Pflicht bzw. die Menschen, die Hunde abgeben.

Frage: Ich bin im Zughundesport tätig. Könntest du dir das als Kindersport vorstellen?

Antwort: Klar! Wir haben im Grunde schon mit Bollerwagen gearbeitet. Kinder finden das klasse. Allerdings immer unter den wachsamen Augen der Eltern.

Frage: Die Frage, was ist bei einem Hund noch Spiel und was nicht, wird oft debattiert. Welche Spiele empfiehlst du für Kinder?

Antwort: Ja, das ist nicht immer einfach zu beantworten. Mein Sohn zum Beispiel lernte vor ein paar Monaten im Biounterricht, das „Zergeln“ mit dem Hund nicht erlaubt sei, weil der Hund, wenn er denn gewinnt, dadurch in der Rangordnung „aufsteigen“ würde. Das war für meinen Sohn nicht nachvollziehbar, weil er mit Aila immer zergelt und beide unregelmäßig mal gewinnen oder verlieren. Ich würde sagen, es kommt auf den Hund an. Habe ich einen Balljunkie, der seinen Ball auch den Kindern gegenüber verteidigt, rate ich davon ab und empfehle lieber Suchspiele (Kopfarbeit). Ich mache das immer vom Kind & Hund Gespann abhängig.

Frage: In vielen Schulen gibt es ein Handy-Verbot. Bei dir auch?

Antwort: Lustig, dass du das fragst. Ich hatte noch nie Kinder im Kurs, die ein Handy hervor geholt hätten. Aber ja: es würde bei mir für die Zeit des Kurses ein Handy-Verbot geben und das würde auch gegenüber Kindern und Eltern klar kommuniziert

Frage: Welche Frage stellen dir Kinder am häufigsten?

Antwort: „Darf ich Aila führen?

Frage: Was wünschst du dir für die Zukunft?

Antwort: Ich wünsche mir mehr Hundeschulen, die mit Kindern arbeiten. Ich wünsche mir mehr Rücksicht von Hundehaltern gegenüber Kindern und von Eltern mit Kindern wünsche ich mir mehr Anleitung im Umgang mit fremden Hunden, damit ihre Kinder nicht einfach einen Hund ungefragt streicheln.
Ich wünsche mir weniger Zwischenfälle zwischen Kind & Hund (Beißvorfälle) und mehr Freude im Umgang mit dem „Partner Hund“. Denn es gibt in meinen Augen nichts Schöneres, als mit einem Hund groß zu werden!

Vielen lieben Dank für das Interview
Ich habe zu danken 🙂 !

Anett Kämpfer
Im Mai 2016